Bienenstich-Therapie

Wie diese Methode funktioniert und warum Apitoxin die Nebennieren schädigen kann.

 

Auch, wenn der Begriff "Bienenstich" bei Kuchenliebhabern wahrscheinlich direkt das Wasser in den Mundwinkeln zum Rinnen bringt, geht es bei der Bienenstich-Therapie nicht um eine mit Kuchen gedeckte Tafel, sondern um eine uralte Tradition aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Die Intension dieser Tradition ist, durch das bewusst in den Körper eines Menschen injizierte Bienengift Entzündungen in unserem Organismus abklingen zu lassen und dadurch Krankheiten zu genesen. In der Theorie klingt diese Tradition zwar ganz schön, doch wie sieht es mit der Praxis aus?


Bedenkt man, dass bei dieser Tradition Bienen durch die Art der Gewinnung des Giftes teilweise sterben, zumindest aber das Bienenvolk auf Dauer nachweislich geschwächt wird und es für die positiven Effekte auf den menschlichen Organismus keinerlei wissenschaftliche Belege gibt, ist die Bienenstich-Therapie nicht nur ethisch, sondern auch medizinisch unvertretbar.


|Adrenalin


Apitoxin - so wird das Bienengift in der Medizin genannt. Um diesen Stoff geht es also. Sein Hauptbestandteil, Melittin, bewirkt im Körper eines Menschen eine erhöhte Produktion von Adrenalin. Und Adrenalin ist genau das, was in manchen dieser Therapie-Fälle krankheitslindernde Wirkungen erzeugt. Der Grund: Adrenalin ist ein körpereigenes Steroid, also ein Entzündungshemmer. Wird ein Mensch von einer Biene gestochen, fluten die Nebennieren den Organismus mit Adrenalin und Cortisol, was dazu führt, dass die Entzündung zurückgeht bzw. sich gar nicht erst ausbreitet und der Schmerz abklingt. Und obwohl Adrenalin hier der Helfer in der Not ist, hat das Hormon leider auch noch ein anderes Gesicht.


Ein saures, ätzendes und zerstörerisches Gesicht - das unserem Körper, allem voran unserer Leber, so gar nicht schmeckt! Was also durch die Bienenstich-Therapie passiert, ist, wenn überhaupt, ein kurzzeitiges Abklingen von Entzündungen im Körper. Langfristig betrachtet ist diese Therapie aber keine gute Idee, da das ständig ausgeschüttete Adrenalin mehr Schaden anrichtet, als es Gutes vollbringt. Da viele unserer Organe äußerst lern- und anpassungsfähig sind, reagieren unsere Nebennieren irgendwann auch nicht mehr so stark auf Bienenstiche wie beim ersten Mal, wodurch die entzündungshemmende Wirkung des Adrenalins schwächer ausfällt, als zu Beginn der Therapie. Mit der Zeit benötigt ein Patient also immer mehr Bienenstiche, um dieselbe Menge an Adrenalin zu provozieren! Die Bienenstich-Therapie könnte also genauso gut Nebennieren-Beschädigungs-Therapie heißen...


|Immunsystem


Die bewusst herbeigeführte Entzündung durch den Bienenstich, führt zu einer akuten Immunreaktion. Die fehlt dann folglich an anderer Stelle im Körper, sodass leicht der Eindruck entstehen kann, dass an dieser anderen Stelle im Körper eine Verbesserung der Entzündung/Krankheit zu sehen ist, da das Immunsystem dort ja nicht mehr "herumwerkelt". Tatsächlich wurde durch den Bienenstich lediglich der Fokus verändert. Das Immunsystem reagiert nun auf die akute Entzündung im Körper, um sich später wieder um andere Entzündungen zu kümmern. Die Behandlung mit Adrenalin zur Bekämpfung von Entzündungen ist Augenwischerei, denn die Ursache von Entzündungen sind pathogene Keime! Wenn diese nicht abgetötet werden, werden auch Entzündungen immer wieder auftreten. Den Schmerz der vielen Bienenstiche kann man sich also getrost sparen und damit nicht nur seine Nebennieren schützen, sondern auch sein Immunsystem entlasten.

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